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Andreas Schik

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Bahn fahren kann Spaß machen, vor allem wenn man einen ruhigen Platz hat und in Ruhe Musik hören kann. Mit Musik hören meine ich natürlich zuhören, und nicht, die Musik dudeln lassen, während man liest oder sonstwas treibt. Jetzt sitze ich also im Zug nach Hamburg und habe Zeit zum Musik hören. Mal sehen, was die Bibliothek so zu bieten hat und schnell fällt sie Wahl auf “Born To Run” von Bruce Springsteen. Jawohl, der Boss. Lange nicht gehört. Und je länger ich also zuhöre, desto mehr drängt sich die Frage auf, warum eigentlich?

“Born To Run” ist eines der Alben aus der guten Zeit, Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre. Als Springsteen noch von der E-Street-Band begleitet wurde, als er noch den guten, alten Rock’n’Roll gemacht hat. Handgemachte Musik, die Texte erzählen von den Befindlichkeiten des US-amerikanischen Arbeitersohns und seinem “American Dream”. Ehrlich, bodenständig, erfrischend unintellektuell. Das meiste davon mag heute noch zutreffen, aber seit die E-Street-Band weg ist, ist es nur noch halb so gut. Und seit “Philadelphia” (Erinnert sich noch jemand?) bin ich nicht mehr so angetan. Ich habe danach auch keine Alben mehr gekauft. Jemand hat mir mal “The Rising” geschenkt, seine 9/11-Bewältigung. Hmm, na ja, nicht schlecht, aber geht halt auch nurmehr so.

Jetzt aber “Born To Run”. Mit Klassikern wie “Thunder Road”, “Backstreets” und “Born To Run”. Richtig gut. Schönes Songwriting mit tollen Arrangements und knackigen Bläsersätzen, die von den Bluesbrüdern sein könnten (“Tenth Avenue Freeze-Out”). Und Springsteens Gesang strotzt vor Kraft und Leidenschaft. Auch einen gewissen Bombast kann man ihm nicht absprechen. So klingt etwa “Jungleland” teilweise , als könnte es auch von “Meat Loaf” sein. Das macht Laune auf mehr. Natürlich nicht wegen der “Meat-Loaf-Qualitäten”, sondern weil es einfach ein gutes Album ist.

Leider wird mir aber auch die Limitiertheit der Abspielhardware bewusst. Trotz brauchbarem Kopfhörer fehlen etliche Details. Moderne Gerätschaften sind wohl doch mehr ausgelegt auf den hochkomprimierten Belanglos-Pop, der heute produziert wird und kommen mit größerer Dynamik in der Musik nicht mehr klar. Selbst mein uralter Analogverstärker kann das besser und das sogar an den mittelmäßigen Lautsprechern, die zur Zeit dran hängen.

“Born To Run” macht trotzdem Spaß und die Lust auf mehr wird erstmal durch einen zweiten Durchlauf befriedigt. Wenn ich der Scheibe dann überdrüssig bin, gibt es in der Bibliothek mehr Klassiker vom Boss, die mal wieder gehört werden wollen. Und die Details? Die spiele ich mir einfach aus dem Kopf dazu. Und das geht jetzt am besten mit geschlossenen Augen.

Nachtrag: Baut sich eben mein Sohn (10) neben mir auf. O-Ton: “Coole Musik.” Stimmt.